9.1) Die Sternbilder Cassiopeia (Cas), Cepheus (Cep), Andromeda (And) und Perseus (Per) sowie Cetus (Cet) |
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Die Sternbilder der Gruppe Cassiopeia, Cepheus, Andromeda und Perseus zählen zu den markantesten Bildern am Himmel. Durch ihre recht hellen Sterne und ihre auffällige Struktur sind sie geeignet, dem "Himmlischen Abc-Schützen" erste Orientierung zu verschaffen.

Das Sternbild Cassiopeia liegt auf der Milchstraße und fällt auf durch seine charakteristische Form eines "W" oder "M", je nach der momentanen Position am Himmel. Zusammen mit dem Großen Wagen gehört es zu den markantesten Sternbildern des Nordhimmels. Häufig wird dieses Sternbild neben dem Größen Bären auch von Laien genannt. Das "Himmels-W" der Cassiopeia zeigt mit seiner Oberseite zum Polarstern. Cassiopeia und der Große Bär liegen in etwa gleichem Abstand vom Polarstern auf gegenüberliegenden Seiten, so dass man beide Bilder gut auffinden kann. Von Nord- und Mitteleuropa aus gesehen sinken beide Sternbilder nie unter den Horizont, sind also zirkumpolar.
Das Sternbild Cepheus findet sich oberhalb der offenen Seite des "Cassiopeia-W"s, zwischen Cassiopeia und dem Kleinen Bären und ist leicht durch vier helle Sterne aufzufinden, die ein Quadrat bilden. Über diesem Quadrat findet sich in Richtung Polarstern ein Stern mittlerer Helligkeit, der dem Quadrat ein Dreieck aufsetzt. Dadurch erscheint das Sternbild Cepheus als Fünfeck, wie ein von Kinderhand gezeichnetes schiefes Strichhäuschen, eben "das Haus des Cepheus". Cepheus ist für Mitteleuropa zirkumpolar. Bekannt ist dieses Sternbild auch durch den Stern d Cephei, dessen Helligkeit in rund 5 Tagen etwa halbiert und wieder in den ursprünglichen Zustand zurückkehrt. Dieser Stern gab einer ganzen Klasse von veränderlichen Sternen, den Delta-Cephei-Sternen, ihren Namen.
Die sternenreiche Konstellation Perseus befindet sich ebenfalls auf der Milchstraße, südöstlich des "Himmels-W"s in Richtung Sternbild Fuhrmann und Stier. Durch einige helle Sterne ist es recht einfach zu finden. Es ähnelt einer großen Gabel mit zwei Zinken oder auch einem umgedrehten "Y". Das Sternbild Perseus ist auch durch den Stern Algol, den Teufelsstern, bekannt. Dieser Stern leuchtet 59 Stunden recht hell, dann sinkt seine Helligkeit 5 Stunden lang, um dann wieder 5 Stunden lang anzusteigen. Infolge der Bedeckung durch einen Begleitstern geht seine Helligkeit in diesen 10 Stunden etwa auf den dritten Teil zurück. Außerdem ist Perseus durch den ergiebigen Meteoritenstrom der Perseiden berühmt, die jährlich im Zeitraum vom 27.Juli bis 22.August (Maximum 12./13. August) aus der Region dieses Sternbildes ausgehen. Die Konstellation Perseus ist für Mitteleuropa größtenteils zirkumpolar.
Das Sternbild Andromeda findet sich südlich der Cassiopeia, zwischen Perseus im Osten und Pegasus im Westen. Es besitzt ein wenig auffälliges Erscheinungsbild. Seine vier in gleichmäßgen Abständen angeordneten Hauptsterne bilden eine lange, leicht gebogene Kette, die scheinbar von einem Eckstern des Pegasus-Vierecks ausgeht. Bekannt ist das Sternbild Andromeda auch dadurch, dass es eine große, in klaren, mondlosen Nächten bereits mit bloßem Auge als länglicher Nebelfleck sichtbare Spiralgalaxie, den Andromedanebel M 31, enthält. Er lässt sich leicht dadurch auffinden, dass man einem "himmlichen Fingerzeig" folgt: der rechte Teil des "Himmels-W" zeigt wie ein Pfeil auf den Nebel M31 oberhalb der Andromeda-Sternenkette hin.
Die Kulminationen der Sternbilder erfolgen um Mitternacht am 9. Oktober (Cassiopeia), 29. September (Cepheus), 9. Oktober (Andromeda) und 7. November (Perseus).
Zirkumpolar sind Cassiopeia für 90º - 43ºn. Br., Cepheus für 90º - 37º n. Br., Andromeda für 90º - 68º n. Br. und Perseus für 90º - 59º n.Br.
Vollständig sichtbar sind Cassiopeia von 90º n. Br. bis 12º s. Br., Cepheus von 90º n. Br. bis 1º s. Br, Andromeda von 90º bis 37º s. Br., Perseus von 90º n. Br. bis 31º s. Br.
Nicht sichtbar sind Cassiopeia von 43º s. Br. bis 90º s. Br., Cepheus von 37º s. Br. bis 90º s. Br., Andromeda für 68º s. Br. - 90 s. Br. und Perseus von 59º s. Br. bis 90º s. Br.
Das Sternbild Cetus (Walfisch) findet sich südlich des Sternbilds Fische, unterhalb des Pegasusvierecks. Es ist zwar das viertgrößte Sternbild am Himmel, besteht aber nur aus wenig hellen Sternen. Von Mitteleuropa aus gesehen findet man dieses Sternbild im Herbst tief über dem Südhorizont. Es enthält einen interessanten Stern, Mira (=der Wunderbare). Seine Helligkeit nimmt im Rhythmus von 332 Tagen bis zum 10000.ten Teil ab und erreicht wieder die ursprüngliche Helligkeit. Er ist der erste veränderliche Stern überhaupt, der entdeckt wurde. Das Sternbild Cetus ist von 65º n. Br. bis 79º südlicher Breite vollständig sichtbar, vorzugsweise in den Monaten Oktober bis Januar. Es kulminiert für die Nordhemisphäre am 15. Oktober um Mitternacht.
9.2) Mythologie |
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Die Mythologie, die dieser Sternbildgruppe zu Grunde liegt, lässt sich in folgenden Überschriften zusammenfassen:
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Kassiopeia war die Gemahlin des Königs Kepheus von Äthiopien. Sein Reich lag nicht im heutigen Äthiopien, sondern im Gebiet der heutigen Länder Jordanien, Israel und Ägypten. Die Tochter von Kassiopeia und Kepheus war Andromeda.
Kassiopeia war eine sehr schöne, aber auch äußerst eitle Frau. In ihrem Hochmut prahlte sie, noch schöner zu sein als die Nereiden, die anmutigen Meeresnymphen, die Töchter des alten Meeresgottes Nereus. Und das hatte fürchterliche Folgen!
Durch ihre Überheblichkeit, noch schöner als die Nereiden zu sein, zog sie deren Zorn auf sich. Die Nereiden beklagten sich beim Meeresgott Poseidon, der mit einer von ihnen, Amphitrite, vermählt war. Sie baten ihn, Kassiopeia für ihren Hochmut zu bestrafen. Poseidon schickte ein schreckliches Seeungeheuer und ließ es die Küsten von Kepheus' Reich verwüsten. Not und Hunger hielten Einzug in dem einst glücklichen Land. Kepheus befragte das Orakel des Zeus Ammon in Ägypten, wie er sein Volk retten könne. "Opfere deine Tochter Andromeda und die Verwüstungen haben ein Ende", war die Antwort. Die entsetzten Eltern jammerten und klagten, aber es gab keinen Ausweg. "Warum sollen wir wegen der Unvernunft der Königin leiden?", rief das Volk. Aus Pflichtgefühl und Verantwortung für sein Volk stimmte Kepheus zu. Sie ketteten Andromeda nackt am Meeresufer mit den Armen an einem Felsen und boten sie dem Ungeheuer als Fraß an. Ovid beschreibt dies eindringlich in seinen Metamorphosen: "Kläglich schreit das Mädchen; ihr gramgebeugter Vater stürzt herbei und mit ihm die Mutter, unglücklich beide, doch jene aus triftigem Grund. Helfen können sie nicht, nur weinen und klagen, wie es die Stunde verlangt, und klammern sich an ihre gefesselte Tochter". So geschah es, dass Andromeda für den Hochmut ihrer Mutter Kassiopeia büßen sollte.
Perseus, ein Sohn des Zeus und der Danae, hatte gerade mit göttlicher Unterstützung am Ende der Welt die Gorgonin Medusa getötet und ihr schlangenumringeltes Haupt erbeutet, bei dessen Anblick alles Lebende augenblicklich zu Stein erstarrte. Mit seinen Flügelschuhen, die er von Hermes erhalten hatte, flog er gerade seiner Heimat entgegen, als er Andromeda am Meeresstrand entdeckte. Sofort war er von ihr angetan und verliebte sich in sie. Nach Ovid ließen nur ihr wehendes Haar und die heißen Tränen, die ihren Augen entströmten, Perseus erkennen, dass sie ein menschliches Wesen und keine Marmorstatue war. Perseus landete und hörte sich die Geschichte der weinenden Eltern an. Perseus versprach, das Ungeheuer zu töten und ihre Tochter zu befreien, wenn er zum Lohn Andromeda heiraten dürfte und obendrein das halbe Königreich bekäme. In ihrer Not akzeptierten die Eltern die Bedingungen, zumal das Ungeheuer gerade aus dem Meer auftauchte. Perseus erhob sich mit seinen Flügelschuhen in die Luft, verwirrte es mit seinem Schatten auf dem Meer, stürzte sich wie ein Greifvogel auf das Untier herab und tötete es nach heftigem Kampf mit seinem Schwert. Dankbar für seinen Sieg brachte er Zeus, Athene und Hermes Brandopfer dar.
Selbstverständlich hätte Perseus den Sieg auch einfacher erringen können: mit Hilfe des Hauptes der Medusa. Bei dessen Anblick wäre das Seeungeheuer sofort zu Stein geworden und in den Fluten versunken. Statt dessen legte Perseus - um der bildschönen Andromeda zu imponieren -das Medusenhaupt zur Seite und besiegte das Ungeheuer möglichst lärmend und aufsehenerregend mit Hilfe seines Krummschwertes und seiner muskulösen Arme. Der Tang und das Gras aber, die mit dem Haupt der Medusa in Kontakt gekommen waren, versteinerten und wurden orangerot. Wir kennen sie heute als Korallen.
Andromeda war gerettet, das Königreich vor Schaden bewahrt, Andromeda zur Frau gewonnen - man sollte denken, es folgte ein berauschendes Hochzeitsfest.
Doch weit gefehlt!
Statt Perseus für die Rettung ihrer Tochter ewig dankbar zu sein stimmte Kassiopeia der Hochzeit von Andromeda und Perseus nur widerwillig zu. Phineus, der Bruder des Königs Kepheus hatte zwar für die Errettung Andromeda nichts getan, bei der Hochzeit Andromedas jedoch entsann er sich daran, dass sie eigentlich ihm versprochen war. Mit einer bewaffneten Schar erschien er auf der Hochzeitsfeier und forderte sein früheres Recht ein. Es kam zu einem langen Kampf und heftigem Gemetzel. Obwohl Perseus mit den Seinen wie ein Löwe kämpfte, konnte Perseus sich schließlich nur mit Hilfe des Medusenhaupts gegen die Übermacht der Gegner erwehren. Bei dessen Anblick erstarrten die restlichen Angreifer sofort zu Stein. Dem Kampfgetöse folgte eine gespenstische Stille. Poseidon versetzte in dieser Stille Kassiopeia und Kepheus an den Sternenhimmel, wo sie ihren Platz in der Nähe des Seeungeheuers Cetus (Walfisch) haben.
Nach diesen Ereignissen stand dem Eheglück des tapferen Perseus nichts mehr im Wege. Andromeda schenkte ihm viele Kinder, von denen einige bedeutende Helden und Stammväter mächtiger Geschlechter wurden. So nahm die romantische Liebesgeschichte von Andromeda und Perseus auch ein gutes Ende
Die Göttin Athene machte sie schließlich als Sternbilder am Himmel unsterblich.
9.2.2) Andere Formulierungen dieser Sage |
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Es gibt weitere Formulierungen dieser Erzählung.
9.2.3) Weitere Interpretationen |
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In der christianisierten Deutung des Sternenhimmels wurden aus den Sternbildern:
9.2.4) Einige abschließende Worte zu den Sternbildern Cassiopeia und Andromeda |
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Wie bereits in 9.2.1) angesprochen besitzt das Sternbild Cassiopeia die Form eines aus fünf hellen Sternen gebildeten "W" oder "M". Nimmt man noch einen sechsten Stern mittlerer Helligkeit hinzu, so erkennt man einen Stuhl mit krummer Lehne, den Thron, von dem aus Kassiopeia residiert. Dieser steht jedoch zeitweise gefährlich gekippt am Himmel. Offensichtlich hat Poseidon Kassiopeia immer noch nicht ganz verziehen.
Das Sternbild Andromeda sieht aus wie eine langgezogene, leicht gekrümmte Kette. Sie stellt Andromeda dar, wie sie mit ausgestreckten Armen an den Felsen geschmiedet ist.
Quellen
Wir danken den Verlagen
Klett-Direkt für die freundliche Überlassung eines Exemplars von "Sternbilder und ihre Mythen".
sowie
Gerstenberg Verlag für die Unterstützung unseres Projekts mit einem Exemplar von "50 Klassiker MYTHEN".
Beide Bücher sind äußerst informativ, schildern das Thema sehr ausführlich und bieten viele weitere Hintergrundinformationen.
Sie stellen eine Fundgrube und Bereicherung unseres Projektes dar.
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