4) ORION - Orion



4.1) Das Sternbild Orion (Ori)

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Photo: Th. Simon


Das Sternbild Orion ist in vielen Augen das prächtigste Sternbild am nördlichen Sternhimmel.

Durch seine Größe, seine hellen Sterne und seine einprägsame Figur ist es einfach am Winterhimmel zu finden. Wegen seiner Lage auf dem Himmelsäquator ist es von allen Teilen der Welt aus zu sehen. Das Sternbild hat in Mitteleuropa seine beste Sichtbarkeit am Abendhimmel von Dezember bis Februar. Vollständig sichtbar ist es von 79º nördlicher bis 67º südlicher Breite. Seine höchste Position über dem Horizont (Kulmination)nimmt das Sternbild am 13. Dezember um Mitternacht an.

Vier der hellen Sterne bilden ein etwas verzerrtes Rechteck, in dessen Mitte drei gleich helle Sterne längs einer diagonalen Linie aufgereiht sind, die man als "Gürtel" oder auch als "Jakobsstab" bezeichnet.

In der rechten unteren Ecke des Sternbildes leuchtet Rigel, der hellste Stern des Sternbildes. Zusammen mit den Sternen Sirius im Großen Hund, Procyon im Kleinen Hund, Pollux und Castor im Sternbild Zwillinge und Capella im Fuhrmann und Aldebaran im Stier bildet Rigel das Hilfssternbild Wintersechseck, das sechs Sternbilder mit mindestens jeweils einem sehr hellen Stern miteinander verbindet.

Bekannt ist das Sternbild Orion auch durch den Nebel M 42, den berühmten Orionnebel, einem riesigen Sternentstehungsgebiet. Man findet ihn bereits mit Hilfe eines Feldstechers unterhalb des mittleren Gürtelsternes.

Orion ist eines der ältesten Sternbilder und stellt einen hünenhaften Kämpfer dar, der schwerttragend und keulenschwingend den wütenden Angriff eines Stiers abwehrt, der im benachbarten Sternbild Taurus dargestellt ist.


4.2) Mythologie

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4.2.1) Griechische Mythologie

Bei Orion ranken sich um Geburt, Leben und Tod viele Legenden:


Orions Herkunft:

Nach einer Legende ist Orion der riesenhafte Sohn des Meeresgottes Poseidon.

Ovid beschreibt uns in seinen Fasten ausführlich eine andere Geschichte:

Eines Tages kehrten die Götter Poseidon und Zeus sowie der Götterbote Hermes bei einem Bauern namens Hyrieus ein. Dieser bewirtete sie mit allem, was er hatte und schlachtete sogar seinen einzigen Stier. Zum Dank für seine Gastfreundschaft wurde dem Bauern, dessen Frau vor Jahren gestorben war, sein Wunsch erfüllt: ein Sohn. Die Götter praktizierten etwas, was man als frühzeitliche Version der künstlichen Befruchtung bezeichnen mag. Aus der am Boden liegenden, mit Erde bedeckten Haut des Stieres entwickelte sich nach etwa zehn Monaten Orion, der Erdgeborene.


Orion und die Frauen:

Orion stellt den Idealtyp eines großen Jägers dar. Er interessierte sich aber auch für schöne Frauen und stellte ihnen nach, ohne sie jedoch je zu erreichen. Aufgrund seiner Mächtigkeit und Schönheit erregte er sogar die Liebe von Göttinnen.

Orion befreite die Insel Chios von wilden Tieren. Jedoch versuchte er, die Königstochter Merope mit Gewalt zu nehmen. Zur Strafe blendete ihn ihr Vater. Orion eilte in Richtung des Sonnenaufgangs, um von den Sonnenstrahlen geheilt zu werden. Dort entbrannte Eos, die Göttin der Morgenröte und Schwester des Sonnengottes Helios, in Leidenschaft zu ihm. Ihre göttliche Verwandtschaft gönnte ihr jedoch diesen Verehrer nicht. Deshalb erschoss ihn Artemis, die Göttin der Jagd, aus Mißgunst und Eifersucht mit einem Pfeil.

Einer anderen Version nach verliebte Artemis sich selbst in Orion und wollte sogar ihr Keuschheitsgelübde brechen. Ihr Zwillingsbruder Apollon griff zu einer List:
Er überredete Artemis, ihre Treffsicherheit im Bogenschießen unter Beweis zu stellen und einen weit entfernten Gegenstand im Meer zu treffen. Artemis traf - ohne es zu wissen ihren Geliebten Orion. Schmerzerfüllt setzte sie anschließend Orion an den Himmel.


Folgende Sage berichtet von weiteren Frauen, denen Orion nachstellte:
Orion liebte die Plejaden, die Töchter des Atlas, des Trägers des Himmelsgewölbes, und stellte ihnen nach, ohne sie zu erreichen. Heute noch eilt er ihnen am Himmel nach, ohne sie einzuholen. Sie befinden sich vor ihm im Sternbild Stier.

Einer anderen Erzählung nach versuchte Orion, den eine Jagdfreundschaft mit Artemis verband, die jungfräuliche Artemis zu mißbrauchen. Ohne viel Federlesen erschoss die Göttin ihn daraufhin.

In einer weiteren Version dieser Geschichte setzte der tödliche Stich eines Skorpions Orion und seinem Versuch, Artemis zu bedrängen, ein jähes Ende. Asklepios der Gott der Heilkunst, wollte Orion noch retten. Doch der Zorn der Götter auf Orion war so stark, dass Zeus den Asklepios mit einem Blitz tötete, um Orion endgültig zu bestrafen. Asklepios wurde als Sternbild Schlangenträger am Himmel verewigt.

Nach einer leicht abgewandelten Darstellung dieser Geschichte erweckte Asklepios den Orion wieder zum Leben. Das erzürnte Hades, den Herrscher der Unterwelt, und er beklagte sich bei Zeus. Mit einem Blitz erschlug Zeus daraufhin den Asklepios. Doch bald reute ihn diese Tat. Er verwandelte Orion, den Skorpion und Asklepios in Sterne und versetzte sie an den Himmel.

Wir kennen heute die um einen senkrechten Stab geringelte Schlange als Symbol der Medizin und Pharmazie, den Äskulapstab (Äskulap =Asklepios).

                    

Orion, Skorpion und Schlangenträger sind so am Himmel untergebracht, dass sie einander nie begegnen: der Schlangenträger ist im Sommer am Himmel, Orion ist dann unsichtbar. Orion und Skorpion sind an entgegengesetzten Stellen des Himmels untergebracht: das Sternbild Orion geht unter, wenn der Skorpion aufgeht.


Orion, der große Jäger:

Orion ging mit seinen beiden Hunden, einem großen und einem kleinen, auf die Jagd. Als mutiger Jäger nahm mit jedem Tier den Kampf auf. Er hatte aber auch ein Herz für Tiere! Als der große Hund eines Tages einen Hasen hetzte, suchte der Hase Schutz zu Orions Füßen. Orion hatte halt ein gutes Herz! Das Sternbild Hase findet sich zu Füßen des Orion, verfolgt vom Großen Hund.

Einer Sage nach musste Orion sterben, weil er zuviele Tiere erlegte. Artemis als Göttin der Jagd war schließlich auch Schützerin der wilden Tiere.

Einer anderen Sage nach prahlte Orion, er könne jedes Tier töten. Dadurch zog er den Zorn der Erdgöttin Gaia auf sich. Sie schickte einen Skorpion, die Orion mit seinem giftigen Stachel tötete.


4.2.2) Sumerische Mythologie

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Die Orion-Sage besitzt möglicherweise ihren Ursprung in dem sumerisch-babylonischen Gilgamesch-Epos aus dem dritten vorchristlichen Jahrtausend.

Gilgamesch, der König von Uruk, war zu zwei Drittel Gott und zu einem Drittel Mensch. Er war von ansehnlicher, kräftiger Gestalt. Ihm zur Seite stand der starke Jäger Enkidu. Als Gilgamesch das Werben der Liebesgöttin Ischtar ausschlug, bat diese ihren Vater, den Himmelsgott Anu um die Herausgabe des Himmelsstiers , um in Uruk schweres Unheil anzurichten. Doch den beiden Helden Gilgamesch und Enkidu gelang es, den Stier zu töten.


4.2.3) Weitere Interpretationen

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Es finden sich weitere Deutungen des Sternbildes Orion:


Quellen


Wir danken den Verlagen

Klett-Direkt für die freundliche Überlassung eines Exemplars von "Sternbilder und ihre Mythen".

sowie

Gerstenberg Verlag für die Unterstützung unseres Projekts mit einem Exemplar von "50 Klassiker MYTHEN".

Beide Bücher sind äußerst informativ, schildern das Thema sehr ausführlich und bieten viele weitere Hintergrundinformationen.
Sie stellen eine Fundgrube und Bereicherung unseres Projektes dar.



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